Home
Liniengasse 25 / 2B
A-1060 Wien
Tel. + 43 (01) 943 73 41
Über uns Angebote Wissenspool Forschung Kontakt
  TrennungKinderAlleinerziehenBesuchselternNeue PartnerschaftStieffamilieTrauern
 
  Problemfelder
Rat und Hilfe
  Home   /  Wissenspool   /  Alleinerziehen  
 

Alleinerziehen

Alleinerziehen Manchmal ist es von Anfang an so geplant, meist aber ist es Folge eines Bruchs, einer Trennung, einer Schei-dung, des Tods eines Elternteils - eine Mutter, ein Vater lebt alleine mit seinen Kindern. Nach wie vor wird diese Familien-form, von der kaum einer der Betroffenen geträumt hat, häufig von Gefühlen wie Versagen, Schuld den Kindern gegenüber und Unvollständigkeit begleitet. Und diese Bewertungen machen es dann umso schwieriger, dazu zu stehen, die inne-wohnenden Freiheiten zu nützen und die Probleme aktiv zu bewältigen. Dies erstaunt umso mehr, als die Lebensform "Single" heute ja ihr negatives Image großteils hinter sich gelassen hat.

Aber man sollte nicht vergessen, dass Erwachsene und Kinder an so einer Situation auch reifen können. Es kann mehr Freiraum bedeuten für die kindliche Entwicklung, Verantwor-tungsübernahme und Selbständigkeit des Kindes kann geför-dert werden. Und letztlich bedeutet es für Kinder oft auch ein Leben ohne ständige häusliche Konflikte und Paarstreitigkeiten. Frauen leben manchmal besser alleine mit ihren Kindern als mit solchen Männern, die keine partnerschaftliche Aufgabenteilung im Alltag anbieten. Und alleinerziehende Männer erleben oft eine wesentlich größere Nähe zu ihren Kindern als in einer Partnerschaft. Verschiedene Studien weisen nach, dass Kinder, die in Alleinerzieherhaushalten aufwachsen, schneller selbst-ständig werden und dass Söhne von Alleinerzieherinnen einen partnerschaftlichen Umgang mit Frauen lernen und praktischer im Haushalt sind.

Problemfelder

  • Alleinerziehen bedeutet meist größeren Zeitdruck und engere finanzielle Mittel. Dies ist eine große Belastung für Elternteil und Kind und kann sich natürlich auch negativ auf die Beziehung auswirken - je mehr der Erwachsene unter Druck ist, desto weniger hat er/sie Kapazitäten für Erziehung, Gelassenheit, um Probleme zu bewältigen und Freiraum, um aufzutanken.
  • Kinder spüren finanzielle Sorgen der Mutter oder des Vaters und machen sich selbst Sorgen. Oft halten sie sich auch (begründet und unbegründet) für die Verursacher dieser Sorgen ("Mama, du wärst besser dran, wenn du mich nicht auch noch hättest") und bekommen Schuldgefühle. So versuchen sie dann, möglichst keine Kosten zu verursachen, was aber zu Gefühlen des Zurückgesetzt-Seins den Kameraden gegenüber führen kann.
  • Kinder brauchen die Möglichkeit eines Freiraums, müssen lernen, sich von ihrer Bezugsperson (meist der Mutter) mit zunehmendem Alter zu distanzieren. Hierbei hilft eine zweite erwachsene Person im Haushalt.
  • Als Alleinerzieherin bzw. Alleinerzieher muss man alle Konflikte mit dem Kind allein austragen. Manche Erziehungsregeln sind dadurch leichter zu etablieren, Auseinandersetzungen können aber schneller eskalieren bzw. Fronten verhärten sich unter diesen Umständen auch leichter.

Die schlimmste Erinnerung die Maria an ihre ersten Zeiten alleine mit Peter hatte, war ein Nachmittag, wo er bei einem Freund eingeladen war und nicht nach Hause wollte. Er wurde so aggressiv, dass er dessen Blockfloete durch die Gegend schleuderte und dessen elektrische Eisenbahn auseinanderriss. Sie musste ihre ganze Kraft anwenden, ihn durch die Ausgangstuer ins Stiegenhaus zu zerren. Dort machte sie eine Pause und redete im Dunkeln auf ihn ein, bis er endlich bereit war, mitzugehen. Heute ist sie froh, dass Peter und sie in Laufe der Zeit bessere Problemlösungsstrategien gefunden haben.

  • Oft werden Kinder als Gesprächspartner miteinbezogen und mit Problemen belastet, die ihrem Alter nicht angemessen sind und eine schwere Bürde darstellen können - Kinder als Partnerersatz. · Manchmal wird der Alltag und die Erziehung dadurch erschwert, dass das Kind den anderen Elternteil idealisiert, bei Konflikten als "Trumpf" ausspielt ("dann geh ich eben zum Papa") oder dass die eigene Angst, weniger geliebt zu werden als der andere Elternteil, die Erziehung blockiert.

Rat und Hilfe

  • Muten Sie sich nicht alles alleine zu - lassen Sie sich helfen, suchen Sie Unterstützung in der Familie oder im Umkreis. Vielleicht lernen Sie andere AlleinerzieherInnen kennen, mit denen Sie Betreuungsnetzwerke organisieren können.

Nikola war endlich glücklich verheiratet. Mit dem Stiefvater ihrer ersten Kinder - dessen leiblicher Vater eine reglerechte Katastrophe war - hatte sie nun zwei weitere Kinder. Ein echtes Familienleben mit täglichem warmen Abendessen, von ihm gekocht, was kann man sich noch von einem Partner in der Familie wünschen?

Und doch sehnte sie sich manchmal - ganz im Geheimen - nach der Zeit zurück, wo sie, gerade erst verlassen, mit ihren zwei ersten Kindern - damals 3 und 5 Jahre alt - in der kleinen Mietwohnung in der Innenstadt wohnte. Sie baute sich ein Netz von allein erziehenden Müttern auf, die in der Nähe wohnten. Jedes Wochenende bekam eine von ihnen "frei" und eine der anderen nahm die Kinder zu sich - für die Kinder ein Spaß - und man konnte lang ausschlafen, denn die Freundinnen verstanden am allerbesten, was eine junge verlassene Mutter brauchte. Auch das Verhältnis zu ihren beiden, jetzt schon fast erwachsenen Söhnen war damals ganz anders als später, als sie mit Karl zusammenzogen: Es war tiefer, verbundener und sogar manchmal unkomplizierter. Es war tolerant und rücksichtsvoll. Manche dieser Annehmlichkeiten hatten sich im Zusammenleben mit Karl wieder verloren …

  • Suchen Sie sich Menschen, mit denen Sie reden können. Mit ihren Sorgen und Überlegungen könnten Sie sonst ihre Kinder zu sehr belasten.
  • Beziehen Sie die Kinder in Entscheidungsfindungen mit ein, aber übernehmen Sie die Verantwortung und die letzte Entscheidung.
  • Lassen Sie sich in Ihrer Erziehung nicht leiten von der Angst, die Kinder könnten den anderen Elternteil bevorzugen oder gar zu ihm ziehen wollen, wenn Sie Ihre Regeln durchsetzen. Kinder brauchen Eltern, die wissen, was sie wollen und das auch durchsetzen, das gibt Halt. Ein Kind, das seine Eltern gegeneinander ausspielen kann, hat vielleicht auf den ersten Blick Vorteile davon, auf lange Sicht gesehen ist es für das Kind ungünstig. Es lernt zu erpressen und zu manipulieren - das gilt übrigens genauso in aufrechten Partnerschaften!

Walter hatte es schwer mit den beiden Töchtern. Er hatte grosse Angst, dass sie eines Tages zu ihm kommen würden, um ihm zu sagen, dass sie jetzt zur Mutter ziehen wollten. In zwei Jahren waren sie alt genug, es selbst zu bestimmen. Sie hatten es jetzt schon drauf, immer zu erzaehlen, wie toll die Wochenenden mit der Mutter waren. Und trotzdem machte er nichts anders, es war ihm zu wichtig, zu seinem streng-konsequenten Erziehungsstil - der übrigens zum Teil für die Trennung von der Mutter verantwortlich war - zu stehen. Letzlich blieben die Kinder beide bei ihm, später konnten sie auch erklären warum: Sie hatten bei ihm mehr Sicherheit und Kontinuität bekommen.

  • Mit etwas größeren Kindern kann man seine finanzielle Situation besprechen, vielleicht sogar eine Ein- und Ausgabenrechnung durchgehen, um mehr Verständnis für Einschränkungen zu bekommen. Sie können damit verhindern, dass die Kinder es als Liebesentzug interpretieren, wenn ihnen ein Geschenk verwehrt wird. Versichern Sie den Kindern aber, dass für die gemeinsamen Grundbedürfnisse genügend Geld vorhanden ist und sein wird, damit sie nicht Existenzangst bekommen. Kinder sorgen sich sehr schnell, wenn die Mutter sagt "ich hab überhaupt kein Geld".
  • Beziehen Sie die Kinder in die Aufteilung der häuslichen Pflichten je nach Alter ein! Verteilen Sie diese Pflichten gemeinsam, lassen Sie die Kinder auch auswählen, was sie übernehmen, und geben Sie ihnen Freiraum beim Erledigen dieser Pflichten. (also z.B.: Einmal in der Woche muss Dein Zimmer gesaugt werden - wann, überlasse ich Dir.)
  • Hetzen Sie nicht gegen den anderen Elternteil - auch wenn es manchmal schwer fällt. Sie bringen Ihre Kinder damit nur in Bedrängnis.

Irgendwie empfand Christine leichte Schadenfreude, wie sie von ihrem Sohn Max zu hören bekam, dass die junge Freundin des Vaters einen Bänderriss hatte...: Kein gemeinsamer Schiurlaub, selbst die geplante Hochzeit wuerde mit Krücken stattfinden muessen... Aber Christine war weise und konnte sich zurückhalten. So hörte sie geduldig zu, wie Max erzählte, was der Vater nun alles umplanen musste - und das ironische Lächeln behielt sie für sich!

  • Gerade bei festgefahrenen Konflikten mit Jugendlichen ist es oft sinnvoll, eine Dritten mit einzubeziehen, der zwischen Kind und Eltern vermitteln kann. Dies kann auch eine Großmutter oder ein Freund der Familie sein.

Weitere Informationen unter:

Wissenspool / Trennung
Wissenspool / Stieffamilie

 

 
     
 

back to top