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Alleinerziehen
Alleinerziehen Manchmal ist
es von Anfang an so geplant, meist aber ist es
Folge eines Bruchs, einer Trennung, einer Schei-dung,
des Tods eines Elternteils - eine Mutter, ein
Vater lebt alleine mit seinen Kindern. Nach wie
vor wird diese Familien-form, von der kaum einer
der Betroffenen geträumt hat, häufig von Gefühlen
wie Versagen, Schuld den Kindern gegenüber und
Unvollständigkeit begleitet. Und diese Bewertungen
machen es dann umso schwieriger, dazu zu stehen,
die inne-wohnenden Freiheiten zu nützen und die
Probleme aktiv zu bewältigen. Dies erstaunt umso
mehr, als die Lebensform "Single" heute ja ihr
negatives Image großteils hinter sich gelassen
hat.
Aber man sollte nicht vergessen,
dass Erwachsene und Kinder an so einer Situation
auch reifen können. Es kann mehr Freiraum bedeuten
für die kindliche Entwicklung, Verantwor-tungsübernahme
und Selbständigkeit des Kindes kann geför-dert
werden. Und letztlich bedeutet es für Kinder oft
auch ein Leben ohne ständige häusliche Konflikte
und Paarstreitigkeiten. Frauen leben manchmal
besser alleine mit ihren Kindern als mit solchen
Männern, die keine partnerschaftliche Aufgabenteilung
im Alltag anbieten. Und alleinerziehende Männer
erleben oft eine wesentlich größere Nähe zu ihren
Kindern als in einer Partnerschaft. Verschiedene
Studien weisen nach, dass Kinder, die in Alleinerzieherhaushalten
aufwachsen, schneller selbst-ständig werden und
dass Söhne von Alleinerzieherinnen einen partnerschaftlichen
Umgang mit Frauen lernen und praktischer im Haushalt
sind.
Problemfelder
- Alleinerziehen bedeutet
meist größeren Zeitdruck und engere finanzielle
Mittel. Dies ist eine große Belastung für Elternteil
und Kind und kann sich natürlich auch negativ
auf die Beziehung auswirken - je mehr der Erwachsene
unter Druck ist, desto weniger hat er/sie Kapazitäten
für Erziehung, Gelassenheit, um Probleme zu
bewältigen und Freiraum, um aufzutanken.
- Kinder spüren finanzielle
Sorgen der Mutter oder des Vaters und machen
sich selbst Sorgen. Oft halten sie sich auch
(begründet und unbegründet) für die Verursacher
dieser Sorgen ("Mama, du wärst besser dran,
wenn du mich nicht auch noch hättest") und bekommen
Schuldgefühle. So versuchen sie dann, möglichst
keine Kosten zu verursachen, was aber zu Gefühlen
des Zurückgesetzt-Seins den Kameraden gegenüber
führen kann.
- Kinder brauchen die Möglichkeit
eines Freiraums, müssen lernen, sich von ihrer
Bezugsperson (meist der Mutter) mit zunehmendem
Alter zu distanzieren. Hierbei hilft eine zweite
erwachsene Person im Haushalt.
- Als Alleinerzieherin bzw.
Alleinerzieher muss man alle Konflikte mit dem
Kind allein austragen. Manche Erziehungsregeln
sind dadurch leichter zu etablieren, Auseinandersetzungen
können aber schneller eskalieren bzw. Fronten
verhärten sich unter diesen Umständen auch leichter.
Die schlimmste Erinnerung
die Maria an ihre ersten Zeiten alleine mit Peter
hatte, war ein Nachmittag, wo er bei einem Freund
eingeladen war und nicht nach Hause wollte. Er
wurde so aggressiv, dass er dessen Blockfloete
durch die Gegend schleuderte und dessen elektrische
Eisenbahn auseinanderriss. Sie musste ihre ganze
Kraft anwenden, ihn durch die Ausgangstuer ins
Stiegenhaus zu zerren. Dort machte sie eine Pause
und redete im Dunkeln auf ihn ein, bis er endlich
bereit war, mitzugehen. Heute ist sie froh, dass
Peter und sie in Laufe der Zeit bessere Problemlösungsstrategien
gefunden haben.
- Oft werden Kinder als
Gesprächspartner miteinbezogen und mit Problemen
belastet, die ihrem Alter nicht angemessen sind
und eine schwere Bürde darstellen können - Kinder
als Partnerersatz. · Manchmal wird der Alltag
und die Erziehung dadurch erschwert, dass das
Kind den anderen Elternteil idealisiert, bei
Konflikten als "Trumpf" ausspielt ("dann geh
ich eben zum Papa") oder dass die eigene Angst,
weniger geliebt zu werden als der andere Elternteil,
die Erziehung blockiert.
Rat und Hilfe
- Muten Sie sich nicht alles
alleine zu - lassen Sie sich helfen, suchen
Sie Unterstützung in der Familie oder im Umkreis.
Vielleicht lernen Sie andere AlleinerzieherInnen
kennen, mit denen Sie Betreuungsnetzwerke organisieren
können.
Nikola war endlich
glücklich verheiratet. Mit dem Stiefvater ihrer
ersten Kinder - dessen leiblicher Vater eine reglerechte
Katastrophe war - hatte sie nun zwei weitere Kinder.
Ein echtes Familienleben mit täglichem warmen
Abendessen, von ihm gekocht, was kann man sich
noch von einem Partner in der Familie wünschen?
Und doch sehnte sie
sich manchmal - ganz im Geheimen - nach der Zeit
zurück, wo sie, gerade erst verlassen, mit ihren
zwei ersten Kindern - damals 3 und 5 Jahre alt
- in der kleinen Mietwohnung in der Innenstadt
wohnte. Sie baute sich ein Netz von allein erziehenden
Müttern auf, die in der Nähe wohnten. Jedes Wochenende
bekam eine von ihnen "frei" und eine der anderen
nahm die Kinder zu sich - für die Kinder ein Spaß
- und man konnte lang ausschlafen, denn die Freundinnen
verstanden am allerbesten, was eine junge verlassene
Mutter brauchte. Auch das Verhältnis zu ihren
beiden, jetzt schon fast erwachsenen Söhnen war
damals ganz anders als später, als sie mit Karl
zusammenzogen: Es war tiefer, verbundener und
sogar manchmal unkomplizierter. Es war tolerant
und rücksichtsvoll. Manche dieser Annehmlichkeiten
hatten sich im Zusammenleben mit Karl wieder verloren
…
- Suchen Sie sich Menschen,
mit denen Sie reden können. Mit ihren Sorgen
und Überlegungen könnten Sie sonst ihre Kinder
zu sehr belasten.
- Beziehen Sie die Kinder
in Entscheidungsfindungen mit ein, aber übernehmen
Sie die Verantwortung und die letzte Entscheidung.
- Lassen Sie sich in Ihrer
Erziehung nicht leiten von der Angst, die Kinder
könnten den anderen Elternteil bevorzugen oder
gar zu ihm ziehen wollen, wenn Sie Ihre Regeln
durchsetzen. Kinder brauchen Eltern, die wissen,
was sie wollen und das auch durchsetzen, das
gibt Halt. Ein Kind, das seine Eltern gegeneinander
ausspielen kann, hat vielleicht auf den ersten
Blick Vorteile davon, auf lange Sicht gesehen
ist es für das Kind ungünstig. Es lernt zu erpressen
und zu manipulieren - das gilt übrigens genauso
in aufrechten Partnerschaften!
Walter hatte es schwer
mit den beiden Töchtern. Er hatte grosse Angst,
dass sie eines Tages zu ihm kommen würden, um
ihm zu sagen, dass sie jetzt zur Mutter ziehen
wollten. In zwei Jahren waren sie alt genug, es
selbst zu bestimmen. Sie hatten es jetzt schon
drauf, immer zu erzaehlen, wie toll die Wochenenden
mit der Mutter waren. Und trotzdem machte er nichts
anders, es war ihm zu wichtig, zu seinem streng-konsequenten
Erziehungsstil - der übrigens zum Teil für die
Trennung von der Mutter verantwortlich war - zu
stehen. Letzlich blieben die Kinder beide bei
ihm, später konnten sie auch erklären warum: Sie
hatten bei ihm mehr Sicherheit und Kontinuität
bekommen.
- Mit etwas größeren Kindern
kann man seine finanzielle Situation besprechen,
vielleicht sogar eine Ein- und Ausgabenrechnung
durchgehen, um mehr Verständnis für Einschränkungen
zu bekommen. Sie können damit verhindern, dass
die Kinder es als Liebesentzug interpretieren,
wenn ihnen ein Geschenk verwehrt wird. Versichern
Sie den Kindern aber, dass für die gemeinsamen
Grundbedürfnisse genügend Geld vorhanden ist
und sein wird, damit sie nicht Existenzangst
bekommen. Kinder sorgen sich sehr schnell, wenn
die Mutter sagt "ich hab überhaupt kein Geld".
- Beziehen Sie die Kinder
in die Aufteilung der häuslichen Pflichten je
nach Alter ein! Verteilen Sie diese Pflichten
gemeinsam, lassen Sie die Kinder auch auswählen,
was sie übernehmen, und geben Sie ihnen Freiraum
beim Erledigen dieser Pflichten. (also z.B.:
Einmal in der Woche muss Dein Zimmer gesaugt
werden - wann, überlasse ich Dir.)
- Hetzen Sie nicht gegen
den anderen Elternteil - auch wenn es manchmal
schwer fällt. Sie bringen Ihre Kinder damit
nur in Bedrängnis.
Irgendwie empfand
Christine leichte Schadenfreude, wie sie von ihrem
Sohn Max zu hören bekam, dass die junge Freundin
des Vaters einen Bänderriss hatte...: Kein gemeinsamer
Schiurlaub, selbst die geplante Hochzeit wuerde
mit Krücken stattfinden muessen... Aber Christine
war weise und konnte sich zurückhalten. So hörte
sie geduldig zu, wie Max erzählte, was der Vater
nun alles umplanen musste - und das ironische
Lächeln behielt sie für sich!
- Gerade bei festgefahrenen
Konflikten mit Jugendlichen ist es oft sinnvoll,
eine Dritten mit einzubeziehen, der zwischen
Kind und Eltern vermitteln kann. Dies kann auch
eine Großmutter oder ein Freund der Familie
sein.
Weitere Informationen unter:
Wissenspool
/ Trennung
Wissenspool
/ Stieffamilie
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